INGE KURTZ

Vita

Portrait der Malerin und Feature-Autorin Inge Kurtz vor einem ihrer Werke

Besuch der Kunstschule in Linz. Publizistikstudium in Wien und München. Zunächst journalistisch tätig, entdeckte Inge Kurtz die Gestaltungsmöglichkeiten der akustischen Kunstformen und erarbeitete für verschiedene Rundfunkanstalten eine Vielzahl von großen Radio-Projekten, die zuweilen den herkömmlichen Programmrahmen sprengten. So (zusammen mit Jürgen Geers) das Documenta-Projekt „Der Meinungscontainer - Akustische Graffiti“, eine Versuchsanordnung in der Kasseler Fussgängerzone, in der Graffitikunst, soziale Interaktion und radiophone Gestaltungsmittel eine Momentaufnahme gesellschaftlichen Bewusstseins ermöglichten (ausgezeichnet mit dem „Prix Italia“). Die Aktion „Liebes Volk“, in der 350 unbekannte Deutsche der Aufforderung nachkamen, sich im Radio an der Kunst der öffentlichen freien Rede zu üben oder die Originalton-Collage „Unter dem Gras darüber“ in der über 100 Lebensgeschichten von Zeitzeugen zu einem Abbild des 20. Jahrhunderts geformt wurden (Hörspielpreis der Kriegsblinden).

Seit 1994 verstärkt bildnerische Arbeiten in denen sich auch Elemente der Montage- und Collage-Technik, sowie Graffiti- und Comic-Elemente wiederfinden. Außerdem entstanden so genannte Pixelpaintings, eine Synthese aus Fotografien und Malerei, digital bearbeitet.

Inge Kurtz ist Mitglied der GEDOK München ⇗ und der Künstlergruppe DIE BURG ⇗ in Burghausen. Sie lebt in Tittmoning - Törring (Chiemgau).

Statement

Synästhesie: Töne sehen oder Farben hören können: Ein Ghetto-Blaster erzeugt Farbwellen, ein Basquiat-Gemälde wird zur Klangwolke. Es gibt so viele Formen der Wahrnehmung. Das gefällt mir.

Warum soll ich mich auf ein einziges Ausdrucksmittel beschränken? Ob Mikrophon, Kamera, Pinsel oder Stift: auch in der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Welt bedarf es der Wahl der richtigen Darstellungsmittel zum richtigen Zweck. Ich arbeite mit Leinwand und Computer, mit Palette und Mischpult, je nach dem...

Mich interessieren Geschichten. Geschichten sind wahr oder fiktiv, ernst oder komisch. Oft alles zugleich. Manche Geschichte erfordert viel Zeit und konkretisiert sich in Worten, die andere verdichtet sich bildhaft zu einem einzigen Augenblick. Jede Geschichte sucht nach der ihr gemäßen Form, die gilt es freizulegen. Überflüssiges wird beschnitten, scheinbar Unscheinbares stärker akzentuiert. Gute Geschichten enthalten mehrere Schichten, wie der Farbauftrag in einem Bild. Von Bedeutung ist auch, was sich hinter der Gegenwart, unter der Oberfläche verbirgt. Die Ferne, so nah... Eine gute Geschichte behält ein Geheimnis zurück, ein gutes Bild auch. Nur ungelöste Rätsel erregen die Phantasie.

In meinen Radioarbeiten, wie in meinen Bildern finden sich Elemente des Portraits. Aber kein Portrait fasst einen Menschen ganz. Ein Abbild ist immer auch ein Zerrbild, zweifach retuschiert, von der Intention des Portraitisten wie vom Auge des Betrachters. Bilder können dokmentieren, idealisieren, karikieren... In meinen Radioarbeiten fühle ich mich stärker ans Dokumentarische gebunden, aber in meinen Bildern kann ich subjektiv sein, kann werten, überzeichnen, ironisieren, polemisieren. Mit Bildern kann ich mich wehren. Auch durch Verlachen bannt man Dämonen.

Aufgabenstellung: Viele Geschichten fügen sich zu einem Gesellschaftsportrait. Charakteristische Bohrkerne ziehen aus den Sedimentschichten der Einzelschicksale. Aber auch an der bunten Oberfläche kratzen. Partyslogan: La Comédie Humaine! Dort, wo Medien und Moden zur Mentalität geworden sind, Erotik ein Event und Design das Bewusstsein bestimmt, werden Comics zu Dokumentationsformen. Heiterer Horror, trauriger Fun.